Corona-Virus: Das können Reitanlagen tun

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Täglich, fast stündlich erreichen uns neue Meldungen zum Corona-Virus. Es breitet sich in Deutschland und Europa immer weiter aus und auch für Reitanlagen bedeutet das eine enorme Umstellung und Einschränkung des Alltags: Dürfen wegen des Corona-Virus keine Besucher mehr auf den Betrieb? Müssen Reitschulen schließen? Um Fragen wie diese zu beantworten, hat die deutsche Reiterliche Vereinigung Maßnahmen veröffentlicht, die Betreiber von Pensionsställen und Reitschulen befolgen sollten.

Update 17. März 10 Uhr:

Die Bundesregierung hat mit den Bundesländer Leitlinien gegen die Ausbreitung des Coronavirus vereinbart. „Wir brauchen einschneidende Maßnahmen, um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Demnach müssen alle Sporteinrichtungten vorerst geschlossen bleiben, auch Zusammenkünfte in Vereinen, Sport- und Freizeiteinrichtungen sind untersagt. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat mit einem entsprechenden Maßnahmenkatalog für Vereine und Betriebe darauf reagiert.

Bei der Pferdehaltung sollen demnach folgende Punkte jederzeit sichergestellt sein:

• Pferdegerechte Fütterung
• Pflege der Boxen (Ausmisten und Einstreuen, Kontrolle der Tröge und Tränken)
• Tägliche Tierkontrolle (Ist das Pferd gesund? Liegen Verletzungen vor?)
• Täglich mehrstündige Bewegung zusammengesetzt aus kontrollierter (z. B. Training) und freier Bewegung (Auslauf auf dem Paddock/der Weide) sind essentiell für physisches und psychisches Wohlbefinden sowie die Gesunderhaltung
• Notwendige tierärztliche Versorgung
• Ggf. notwendige Versorgung durch den Schmied

In den meisten Bundesländern gibt es seit dem Wochenende eine Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus, in der es u.a. heißt: „Der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen ist untersagt. Dies gilt sowohl für Sportanlagen im Freien als auch in geschlossenen Räumen (z. B. Fußball- und Tennishallen, Schießstände usw.) sowie für so genannte Indoorspielplätze.“ Reitbetriebe werden darin nicht explizit genannt. Sie sind auch in den meisten Fällen landwirtschaftliche Betriebe.

Folgende Informationen konnten wir zum jetzigen Zeitpunkt zusammenstellen:

– Landwirtschaftliche Betriebe fallen nicht unter diese Regelung.
– Es gilt nach wie vor das Tierschutzgesetz §2:
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

 

Der Notfallplan

Für Pferdebesitzer, Reiter und Betriebsleiter gibt es verschiedene Sofortmaßnahmen, um das Risiko zu minimieren und um dem „eingeschränkten Aufenthaltsverbot“ nachzukommen:

  • Der Aufenthalt im Stall sollte sich auf das Minimum (Versorgen und Bewegen des Pferdes) beschränken.
  • Grundsätzliche Hygienemaßnahmen (Abstand zu anderen Personen – mindestens 2,5 Meter, Husten- und Niesetikette einhalten, regelmäßiges Händewaschen, usw.) einhalten. Kein Händeschütteln, keine Unterhaltungen u. ä.
    Tipp: Ein eigenes Handtuch erhöht die Hygiene!
  • durchgängig Handschuhe tragen
  • Urlaubsrückkehrer sollten für 14 Tage in Quarantäne bleiben, vor allem wenn sie die Ferien in Risikogebieten verbracht haben.
  • Pro Tag sollte nur eine Person pro Pferd auf die Anlage.
  • In einer 20×40 Meter Reithalle sollten sich maximal vier Personen gleichzeitig aufhalten, in einer 20×60 Meter Reithalle maximal sechs Personen
  • Keine Zuschauer in der Reithalle, Casino oder Reiterstübchen mit engerem Personenkontakt meiden.
  • Während Futter- und Mistzeiten sollten sich nur Betriebsmitarbeiter im Stall aufhalten.
  • Es sollte immer nur eine Person in der Sattelkammer sein.
  • Bei jeglichen Krankheitssymptomen darf der Betrieb nicht mehr betreten werden.

Auf den Notfall vorbereiten: die Quarantäne

Die häusliche Quarantäne macht besonders Tierbesitzern zu schaffen. Während immerhin der Garten oder Balkon zur Freude von beispielsweise Hunden noch betreten werden darf, ist ein Stallbesuch nicht möglich. Der einstündige Spaziergang im Park mit dem Hund eines Nachbarn, der sich in Quarantäne befindet, ist kein Problem. Schließlich geht der Hund ja auch die letzten Meter zu Herrchen oder Frauchen alleine.
Bei der Hilfe für das Pferd sieht das aber schon anders aus. Nicht jeder kann mit den Tieren umgehen, nicht jeder überlässt jedem sein Pferd. Das größte Problem aber: Stallbesuch ist nicht mit einem Spaziergang im Garten gleichzusetzen! Und das Argument, „aber ich musste doch in den Stall, wer soll sich denn sonst um mein Pferd kümmern?“, zählt nicht.

Tipps für den Notfallplan:

• Pferdebesitzer sollten verschiedene Situationen durchspielen, die eintreten können: Wer kümmert sich um mein Pferd, wenn ich erkranke bzw. in Quarantäne muss? Welchen Tierarzt, Hufschmied, Futterlieferanten habe ich als Alternative im Falle eines Ausfalls?
• Gründen Sie WhatsApp-Gruppen, in denen Sie sich mit den anderen Pferdebesitzern austauschen können. Helfen Sie sich gegenseitig! Wer hat den Schlüssel für den Schrank? Wessen Pferd kenne ich und kann es gegebenenfalls mitversorgen?
• Überlegen Sie einen Notfallplan, falls der Betrieb zur Quarantäne erklärt wird. Wer kann sich um die Versorgung kümmern? Wer kann Pferde bewegen und wie?
• Reduzieren Sie Ihren Aufenthalt im Stall auf das Minimum.
• Wenn eine Ausgangssperre verhängt wird, sollte man sich an das zuständige Gesundheitsamt, an den Sportbund oder den Landesverband wenden, um eine Regelung zu finden, damit die Versorgung des Pferdes sichergestellt werden kann. Die rechtlich relevante Instanz ist das zuständige Gesundheitsamt. Unter diesem Link kann man seine Postleitzahl eingeben und erfährt, wo die zuständige Stelle ist und wie sie zu erreichen ist.

Hier gibt es das Handbuch für Betriebliche Pandemieplanung zum kostenfreien Download. 

Vorgelegt durch: Thomas Doeser / pferderechtsanwaelte.de 

Finanzielle Hilfen

Durch die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben Vereine, Betriebe und Reitschulen mit Verdienstausfällen zu rechnen. Die Bürgschaftsbanken der Länder bieten besondere Kreditangebote, um diese Engpässe zu überbrücken. Unter diesem Link, Frage: „An wen kann ich mich in finanzieller Notlage wenden?“ hat die FN eine Übersicht der Banken und Antragsformulare zusammengestellt. Schnelle Hilfe verspricht auch die Landwirtschaftliche Rentenbank. 

Informationen zum Umgang mit der Ausbreitung des Corona-Virus für Reitschulen und Pensionsställe

Liebe Reitschüler, liebe Einsteller,

die Eindämmung des Corona-Virus ist für uns alle eine noch nie dagewesene Herausforderung. Vereine und Betriebe müssen dabei Maßnahmen treffen, die gleichzeitig die Gesundheit der Menschen und der Tiere mit den Tierschutzvorgaben sicherstellen. Dazu gehören die Pferdeversorgung sowie Fütterung und Unterbringung genauso wie die Pferdebewegung und Tiergesundheit (z.B. Kolikprophylaxe).

Reitschulen:

Vorbehaltlich regionaler behördlicher Vorgaben gilt für Reitschulen, dass unter strikter Einhaltung der hygienischen Vorgaben ein Notbewegungsplan sichergestellt werden muss:

  •  Nur Reitschüler, die eigenständig ein Pferd vorbereiten, reiten und nachher versor-gen, sollen von der verantwortlichen Person des Vereins/Betriebs auf freiwilliger Basis dafür vorgesehen werden.
  • Die fachkompetente Koordination dieser „Notbewegungshelfer“ übernimmt entweder der Betriebsleiter, ein Vorstandsmitglied oder der leitende Reitlehrer.
  • Die Pferdevor- und -nachbereitung muss mit entsprechenden räumlichen Abständen der Menschen/Pferde voneinander erfolgen.
  •  Die Pferdebewegung auf dem Reitplatz/in der Reitbahn bedarf einer zielgerichteten Betreuung. Entsprechende Abstände der Pferde z.B. beim Auf- und Absitzen sind einzuhalten. Die Anzahl von vier Pferden pro Bewegungsfläche (20mx40m Fläche) wird fachlich und hygienisch als vertretbar, aber als Obergrenze gesehen (immer ab-hängig von der Größe der Reitfläche, als Orientierung dienen pro Pferd ca. 200 Quadratmeter).
  • Unmittelbar nach dem Betreten der Anlage ist auf direktem Wege der Sanitärbereich aufzusuchen und sich entsprechend gründlich die Hände zu waschen und zu desinfizieren, bevor weitere Gegenstände wie z.B. Putzzeug etc. angefasst werden.
  • Nach der umfänglichen Versorgung der Pferde bitten wir darum, wiederum den Sanitärbereich aufzusuchen und sich wiederum gründlich die Hände zu waschen und zu desinfizieren bevor der Heimweg angetreten wird.

Pensionsställe:

Für die Pferdeversorgung von Einstaller-Pferden durch die Besitzer gilt:

  • Die Pferdebesitzer müssen – wie oben aufgeführt – beim Betreten und Verlassen der Anlage die identischen hygienischen Maßnahmen ergreifen.
  •  Bei der Versorgung und Bewegung der Pferde sind jedwede Kontakte zu anderen Einstallern zu vermeiden und ein Abstand von mehreren Metern einzuhalten.
  • Die Tierarzt- und dringende Schmiedeversorgung muss sichergestellt werden. Die Einbestellung dieser Fachkräfte erfolgt jedoch nur durch die verantwortliche Person des Betriebs/Vereins.
  •  Räumliche Abstände zu Stallpersonal sind in gleicher Weise sicherzustellen.

Generell gilt, dass die obigen tierschutzrechtliche Notwendigkeiten des Notbewegungs- und des Pferdeversorgungsplans mit dem zuständigen Amtsveterinär abgestimmt werden sollten.
Ansonsten ist um Verständnis zu bitten, dass kein weiteren Publikumsverkehr auf der Reitanlage zuglassen werden kann.

„Wir gemeinsam für Mensch und Tier.“
Warendorf, den 16. März 2020

Herausgeber: Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), Abteilung Vereine, Umwelt, Breitensport und Betriebe

www.pferd-aktuell.de

 

Für alle Stallbetreiber gilt, dass sie Notfallpläne zur Versorgung der Pferde erstellen müssen: Wie kann Fütterung, Misten, Medikamentengabe und Bewegen sichergestellt werden, wenn der Betriebsleiter oder Mitarbeiter erkranken? Ist für diesen Fall zum Beispiel eine Informationskette vorhanden?

Gefahr für Pferde

Laut WHO gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass Pferde, Katzen oder Hunde infiziert wurden. Sie können deshalb das Virus auch nicht verbreiten. Laut Friedrich-Löffler-Institut fehlen hier derzeit noch tiefergehende wissenschaftliche Untersuchungen.

Mehr Informationen zum Hygienemanagement. 

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