Erst Schweine, dann Trödel, jetzt Pferde – Westernreitzentrum Greene

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In der Ausgabe 09/2015 haben wir über das Seminar der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zum Tierverhalten berichtet. Jetzt haben wir die Referentin Dr. Vivian Gabor auf ihrem eigenen Pferdebetrieb besucht. Das Westernreitzentrum Greene liegt unweit der A7 einige Autominuten nordwestlich von Göttingen. „Gerade nicht mehr im Göttinger Einzugsgebiet“, wie Gabor die Lage beschreibt.

„Eigentlich passt der Name schon gar nicht mehr so richtig“, stellt Gabor fest. Denn in den Boxen und im Laufstall stehen keinesfalls nur Westernpferde. Im Moment steht sogar ein Donnerhall-Nachkomme in einer der Paddockboxen. „Das ist ein ganz typischer Fall. Das Pferd hat schon ein paar Stationen bei unterschiedlichen Trainern hinter sich und landete dann bei mir, der Westerntrainerin.“ Aber keine Angst, der kompakte Wallach macht bei Gabor keine Umschulung zum Westernpferd. Gabor packt einfach den Dressursattel aus und dann werden halt Dressur- statt Westernlektionen geübt. So flexibel kann Reitsport sein, wenn man will. Gabor geht es in erster Linie um die Kommunikation mit dem Pferd.

Und hier hat sich die Diplom-Biologin, die außerdem einen Master und eine Promotion in Pferdewissenschaften und einen Trainer B-Schein Western reiten vorzuweisen hat, schon neben ihrem Studium einen Namen über Reitweisen hinweg erworben. Den Begriff Horsemanship verwendet sie dabei ungern. „Mir geht es darum, klar mit dem Pferd zu kommunizieren. Wie man das nennt, ist eigentlich egal.“ Und so zählen heute nicht nur Westernreiter zu den Kunden von Gabor. Viele Berittpferde hatten zuvor bei anderen Trainern Probleme, oder zeigen Verhaltensproblematiken. Gabor gibt diesen Pferden viel Zeit und versucht, vor allem auch über Bodenarbeit Ruhe und Vertrauen in die Pferde zu bringen. Die Pferdebesitzer können dem Training jederzeit zuschauen. „Es ist wichtig, dass wir nicht nur die Pferde, sondern auch die Reiter mittrainieren“, erklärt Gabor, „vor allem, wenn die Reiter mit ihren Pferden schon so viele schlechte Erfahrungen gesammelt haben, dass sie Angst haben.“

Viel Eigenleistung

Vorher...

Vorher…

Der Betrieb, in dem heute das Westernreitzentrum Greene beheimatet ist, wurde Ende der 1960er Jahre als Aussiedlerhof gebaut und als kleiner Schweinemastbetrieb geführt. Wie viele kleine Höfe wurde der Betrieb aber irgendwann aufgegeben. Er stand 20 Jahre leer, bis Vivian Gabor und ihr Mann Carsten den Betrieb Anfang 2011 übernahmen. „Aus dem Asphalt wuchsen kleine Bäume und den ehemaligen Schweinestall hatte in der Zwischenzeit ein Trödelhändler als Lager genutzt“, erzählt Gabor. Da der Kauf der Anlage parallel zu Gabors Promotion an der Universität Göttingen lief und die jungen Betriebsleiter nicht unendlich Kapital zur Verfügung hatten, mussten schnell Einnahmen her, um die Reitanlage zu finanzieren.

und nachher...

und nachher… Mit viel Eigenleistung wurde aus dem heruntergekommenen Schweinestall ein flexibler Boxenstall für Pferde. Foto: Guido Krisam (2)

Und so wurde mit sehr viel Eigenleistung in Rekordzeit aus dem heruntergekommenen Schweinemastbetrieb eine familiäre Reitanlage mit modernem Haltungskonzept. Im Frühjahr 2011 übernahmen die Gabors die Anlage, im Herbst 2011 zogen bereits die ersten Kundenpferde ein.

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