Betriebsreportage Snorrewind – Service im Fokus

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Im niederländischen Reitstall Snorrewind steht den Reitschülern und deren Familien ein breites Serviceangebot zur Verfügung: Ein Fitnessraum, WLAN-Zugang und ein Begrüßungsrucksack mit Putzzeug für junge Einsteiger sind nur drei Punkte, die sich die Betreiber zur Kundenbindung ausgedacht haben.

Unter dem Motto „Austausch – Know-how – Praxis“ hatte das Horse Competence Center Germany (HCCG) im September zur Fachrunde der Pferdebetriebe in Münster geladen. Es kamen rund 40 Teilnehmer aus 25 Betrieben. Auch Pferdebetrieb war vor Ort und traf dort Erna Bronsvoort-Willemink und Rikus Bronsvoort aus den Niederlanden. Die beiden betreiben in Markelo nahe der Autobahn A1 rund 90 km westlich von Münster den Reitschulbetrieb Snorrewind, auf dem circa 80 Pferde stehen und täglich etwa 60 Reitschüler von frühmorgens bis in den späten Abend hinein unterrichtet werden.

Pferdebetrieb hat den Hof besucht, um sich anzusehen, wie man eine so große Zahl an Reitschülern organisiert und wie man für deren Begleitpersonen eine Wohlfühlatmosphäre schafft, die es ihnen angenehm macht, während des Unterrichts zu warten. Die Anreise zur Manege (niederländisch für Reitschule) Snorrewind ist unkompliziert. Dank der günstigen Lage an der Autobahn sind es von der Abfahrt der A1 nur rund 500 m bis zur Einfahrt in den Betrieb.

Hier wird man von wehenden Fahnen und einem Banner begrüßt und es eröffnet sich ein schöner Blick auf die Anlage. Rechts befindet sich das neue Wohnhaus der Eltern des Hofbetreibers, ein Backsteinbau. Geradeaus liegen der Parkplatz, auf dem bereits um 10 Uhr morgens die ersten Reitschüler ihre Autos geparkt haben, eine Reithalle mit angeschlepptem Stalltrakt und der Gastro-Bereich. Auf der linken Seite steht ein älteres Stallgebäude mit Reetdach. Die Anlage wirkte in der sonnigen Herbststimmung, die bei unserem Besuch herrschte, freundlich und einladend. Wenn man den Parkplatz erreicht, fällt der Blick auf das alte, ebenfalls reetgedeckte Wohnhaus der Betreiber und die gemütliche Holzterrasse, die zum Verweilen einlädt und den Weg in den Gastro-Bereich weist. Dort werden wir bei unserem Besuch von Rikus Bronsvoort herzlich begrüßt. Vor der Hofbesichtigung setzen wir uns in das Café, in dem gerade ein Großteil des Teams von Snorrewind frühstückt. Erna Bronsvoort-Willemink gibt bereits Unterricht in der Halle. Als der Kaffee auf dem Tisch steht, beginnt Rikus von der Geschichte des Hofes und dessen Ausrichtung zu erzählen und die Philosophie der Betreiber zu erläutern.

Lange Tradition

Rund 50 Prozent der Arbeiten auf Snorrewind werden mit Maschinen erledigt. Beispielsweise das Ausmisten der Boxen. Foto: Pferdebetrieb

Da, wie uns Rikus stolz berichtet, Snorrewind seit 1730 im Besitz der heutigen Familie Bronsvoort ist, befindet sich auf dem natürlich gewachsenen Pferdebetrieb nicht nur ein altes Reetdachhaus, in dem Erna und Rikus leben, sondern auch ein modernes Backsteinhaus, das Rikus‘ Eltern bewohnen. Außerdem sind auf dem Gelände alte und neuere Stallgebäude sowie Reithallen vorhanden. Allerdings standen auf dem landwirtschaftlich geprägten Hof nicht immer schon Pferde – und vor allem keine Schulpferde. Auf dem Gelände wurden Schweine, Kühe und Hühner gehalten und es wurden über die Jahrhunderte die Früchte des Ackers in Markelo geerntet.

Erst 1960 änderte sich die Ausrichtung des idyllisch gelegenen Hofes: Zu diesem Zeitpunkt beschlossen Rikus‘ Eltern, den landwirtschaftlichen Betrieb langsam auf die Pferdehaltung umzustellen. Vor rund 20 Jahren übernahm Rikus die Anlage und führt sie bis heute mit seiner Frau Erna, die er auf einem Reitturnier kennengelernt hat. Erna, die Agrarmarketing studiert hat, ist nicht nur auf dem Hof tätig und trainiert dort Pferd und Reiter, sie ist auch Vorstandsmitglied im Königlich Niederländischen Pferdesportverband (KNHS), bei dem sie zehn bis 20 Stunden pro Woche eingebunden ist. Neben den beiden Betriebsleitern arbeiten auch Rikus‘ Eltern und sein Schwiegervater von Zeit zu Zeit auf dem Hof. Von den sieben weiteren Mitarbeitern kümmern sich zwei in Teilzeit um das Büro, den Internet-Auftritt und die Facebook- Präsenz von Snorrewind und fünf um die Pferde, die Reitschüler und die Stallversorgung.

Während unseres Besuchs traf sich das Team von Snorrewind wie jeden Freitag um 12 Uhr zum gemeinsamen Mittagessen und zur Teambesprechung. Üblicherweise nehmen daran auch die Betriebsleiter teil, diesmal gab es jedoch eine Ausnahme: Da Rikus über die Plauderei mit Pferdebetrieb vergessen hatte, sein Kind von der Schule abzuholen, musste er schnell los. Die Stimmung am Tisch war heiter – zumindest so lange, bis unsere Kamera entdeckt wurde –, das Essen schmeckte und es wurde viel geredet. „Bei der Teamrunde kommt alles auf den Tisch“, erzählt Rikus. „Es ist uns wichtig, die positiven und auch die negativen Dinge im Team und im Betrieb anzusprechen.“

Haltung und Bewegung

Snorrewind ist ein klassischer Pferdebetrieb mit Boxenhaltung. Insgesamt leben auf der Anlage rund 80 Pferde, darunter 35 Schulpferde, nicht getrennt in unterschiedlichen Stallungen, sondern bewusst gemischt in den verschiedenen Stalltrakten. Auf dem  Hof mischen sich Einsteller und Reitschüler, dank der weitläufigen Flächen und großen Hallen gibt es nur wenige Konflikte. Für den täglichen Weidegang – auch im Winter – dienen die ausgedehnten Koppeln, die sich rund um die Hofstätte erstrecken.

Am Terminal im Gastro-Bereich können sich die Reitschüler informieren, wenn sie reiten, wann sie reiten und wer den Unterricht gibt. Foto: Pferdebetrieb

Neben den festen Boxen, die in verschiedenen Stallgebäuden untergebracht sind, sind 14 mobile Boxen vorhanden, die für die Unterbringung von Gastpferden bereitgestellt werden können. Sie werden beispielsweise auf einem der beiden großen Turniere eingesetzt, die Snorrewind alljährlich veranstaltet und bei denen bis zu 400 Starter begrüßt werden. Auch bei den rund 60 weiteren Veranstaltungen, die für Gäste mit und ohne Pferd auf dem Betrieb pro Jahr durchgeführt werden, finden die mobilen Boxen Verwendung. Neben dem täglichen Koppelgang gibt es für die Pferde viele weitere Bewegungsmöglichkeiten, beispielsweise die 2,5 km lange Vielseitigkeitsstrecke, die sich um und durch den Hof schlängelt und mit einem Wasserdurchritt und Hindernissen wie Pulvermanns Grab die Fähigkeiten von Pferd und Reiter auf die Probe stellt. Zusätzlich gibt es einen Dressurund Springplatz sowie drei Hallenreitplätze, von denen zwei die Maße 20 x 40 m haben und einer 25 x 50 m misst.

Interessant: Zwei Plätze liegen in einer großen Halle direkt nebeneinander und sind nur durch eine mobile, aber sehr solide Bande voneinander getrennt. Wird die Bande entfernt, verlängert sich die lange Seite der großen Halle um 20 m, sodass der Platz dann 25 x 70 m misst. Die Böden in der Halle bestehen aus einem Sand-Faser-Gemisch, das zweimal im Jahr aufgefrischt und mit einem Laser-Planiergerät begradigt wird. Bei Bedarf werden neue Fasern von StaBon eingearbeitet. Rikus ist von der Qualität dieses Materials überzeugt. Die Xp4-Fasern bestehen zu 99 Prozent aus mit PET verklebter Baumwolle. Snorrewind verfügt außerdem über ein großes Ausreitgelände, das durch ein Naturschutzgebiet führt und auf dem das Team regelmäßig geführte Ausritte anbietet.

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