Praxistest John Deere 4049M: Kompakttraktor

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Der Dodge Ram unter den kleinen Traktoren – so könnte man den John Deere 4043M treffend bezeichnen. An diesem Kompakttraktor wirkt alles solide. Im Portfolio des Herstellers ist die 4er Baureihe zwischen den kompakten Kommunaltraktoren und der kleinsten Ackerschlepper-Baureihe angesiedelt. Schon am Motor ist aber erkennbar, dass der 4er trotz seiner noch kompakten Abmessungen eher nach oben schielt. Während in den meisten Kompakttraktoren Drei-Zylinder-Dieselmotoren für Vortrieb sorgen, werden in die 4er Reihe grundsätzlich Vier-Zylinder eingebaut, auch in den von uns getesteten 4049M mit 49 PS, der das Einstiegsmodell der Serie ist.

Fahrkomfort bei John Deere

Komfort ist die Stärke des John Deere. Aufgrund des Hydrostatgetriebes lässt sich der 4er extrem einfach manövrieren – im Vergleich erscheint sogar Autofahren fast kompliziert. Traktorenhersteller verbauen ja immer wieder unterschiedliche Lösungen in der Pedalerie. Während bei einigen Anbietern das Fahrpedal in zwei Richtungen getreten werden kann, verfügt das Fahrzeug von John Deere über zwei Pedale: eines für vorwärts, eines für rückwärts. Dieses Konzept ermöglicht unserem Eindruck nach eine schnellere Eingewöhnung. Dadurch kann der Traktor auch von ungeübten Fahrern leicht bedient werden – auf Vereinsanlagen durchaus ein großer Vorteil.

Komfort ist die Stärke des John Deere.

Auch die weiteren Bedienelemente des John Deere 4049M geben keine Rätsel auf. Der Frontlader wird über einen Joystick gesteuert, der neben dem Lenkrad befestigt ist. Durch diese Anordnung ist der rechte Ausstieg zwar eng, aber nutzbar, was beim Durchfahren von Weidetoren sehr praktisch sein kann. Auch alle weiteren Bedienelemente sind rechts vom Fahrer auf einer großen Konsole angebracht. Sie dienen beispielsweise der Steuerung der Heckhydraulik und der Aktivierung der Zapfwelle.

Übersichtlichkeit im  Kompakttraktor

Im Pferdebetrieb-Praxistest überprüfen wir Übersichtlichkeit und Fahrkomfort eines Traktors gerne auf dem Springplatz. Beim Umkurven der Sprünge und beim Arbeiten mit dem Hufschlagräumer wird nicht nur schnell deutlich, wie gut die Sicht ist und ob man den Bahnplaner bequem im Blick hat, man merkt auch sofort, wie gefühlvoll die Lenkung ist. Mit manchen Traktoren ist es tatsächlich kaum möglich, den Hufschlag exakt zu räumen, weil sich deren Lenkung so teigig anfühlt, dass man permanent zu korrigieren versucht. Das führt letztendlich dazu, dass der Bahnplaner nicht konstant an der Reitbahnbegrenzung ansteht, sondern sich ebenfalls permanent hin und her bewegt. Der John Deere 4049M verhält sich auch in dieser Disziplin auffällig unauffällig.

Die Lenkung des Kompakttraktors ist vielleicht ein wenig schwergängiger, dafür weiß man aber immer genau, wo die Fuhre hingeht. Das hydrostatische Getriebe funktioniert ebenfalls völlig unauffällig. Wenn der Boden sehr schwer und nass ist, gewinnt man den Eindruck, als würde der Traktor immer mal wieder kurz nachdenken, wohin er die Kraft schicken soll.

Geht man aber einen Augenblick vom Gas, „besinnt“ er sich sofort wieder und es geht weiter. Dieses Phänomen ist jedoch bislang bei allen von uns auf dem Reitplatz getesteten Traktoren und Ladern mit hydrostatischem Getriebe aufgetreten. Offensichtlich verwirren hier die für das Vorankommen im schweren Boden benötigte Zugkraft und die verglichen mit der Arbeit auf dem Acker hohe Fahrgeschwindigkeit gelegentlich die Elektronik. Wer einen Springplatz regelmäßig pflegt, weiß, dass vor allem die Stellen, an denen die Pferde landen, den Traktorfahrer ordentlich durchschütteln können. Lenker des John Deere sitzen jedoch bequem: Der Fahrersitz ist gut gepolstert und die mechanische Federung ist für die Unebenheiten auf einem Reitplatz ebenfalls völlig ausreichend. Wer sparen möchte, kann bei dem Traktor gut auf die Luftfederung des Fahrersitzes verzichten.

Gewichtheber

Der Frontlader des John Deere ist ziemlich genau in der Fahrzeugmitte montiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern folgen die Amerikaner also dem Trend, die Frontlader immer weiter vorne zu montieren, nicht. Der mittig montierte Lader kostet den John Deere zwar einige Zentimeter Hubhöhe, bringt aber deutlich mehr Standsicherheit und ein sichereres Handling mit sich. Auf der problemlosen Bedienbarkeit lag offensichtlich auch der Schwerpunkt der Ingenieure. Der bei unserem Traktor fest verbaute Frontlader D170 hebt am Drehpunkt 1.087 Kilogramm. Für die Größe des Traktors ist das relativ viel. Zwei bis drei Ballen Heu können mit dem John Deere problemlos gehoben werden. Bei vier Quaderballen setzt nicht die Hubkraft dem Traktor Grenzen, sondern der Fahrer sieht hinter der Fuhre nichts mehr. Hier macht sich bemerkbar, dass der Traktor mit einer Gesamthöhe (inkl. Überrollbügel) von 2,28 Metern recht niedrig gebaut ist.

Uns stand für den Praxistest noch ein Heckgewicht zur Verfügung, das nach Bedarf mit Splitt oder Kies gefüllt werden kann. Auch die Bereifung unseres Testtraktors mit Industriereifen trug wesentlich zur Standsicherheit bei. Die Industriereifen verfügen über deutlich mehr Standfläche als Ackerreifen und über wesentlich steifere Flanken als Grünlandreifen. Wer nicht unbedingt eine Ackerbereifung benötigt, ist für die Arbeiten auf einem Pferdebetrieb mit den Industriereifen sicher am besten ausgerüstet.

Für die meisten Arbeiten in der Pferdehaltung ist der John Deere 4049M bereits ab Werk gerüstet. Allradantrieb und Differenzialsperre sind serienmäßig. Eine Front- und eine Zwischenachszapfwelle sind ebenfalls an Bord, sie können auch während der Fahrt zugeschaltet werden. John Deere gibt die Hubkraft des Dreipunkt-Krafthebers mit 1.420 Kilogramm (an den Koppelpunkten) an. Das reicht für einen Bahnplaner und auch ein kleiner Heuwender passt.

Unser Fazit

Unter dem Strich ist für Pferdebetriebe, die einen Traktor für alle auf dem Hof anfallenden Tätigkeiten suchen, die 4er Baureihe von John Deere die richtige Wahl. Einen großen Ackerschlepper kann das Modell nicht ersetzen – das ist seitens des Herstellers auch gar nicht intendiert –, dafür bringt es aber deutlich mehr Leistung und Souveränität als die meisten anderen Kompakttraktoren mit.

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