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Sonntag-Musterstall: Fohlenaufzucht in Viernheim

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Klaus Hartmeyer ist Vertriebsmanager bei Sonntag Stallbau und führt einen eigenen Betrieb zur Fohlenaufzucht, den Sonntag-Musterstall. Bei der Betriebsbesichtigung stellte unsere Redaktion fest, dass die kleine Anlage bei Viernheim viel mehr ist als ein modellhaftes Ausstellungsobjekt: Der Stall steckt voller cleverer Details und man merkt den Betriebsleitern an, dass sie nicht zum ersten Mal einen Pferdestall führen.

Klaus und Jutta Hartmeyer
Die Betriebsleiter Klaus und Jutta Hartmeyer mit ihren beiden Familienhunden. Foto: Pferdebetrieb

Ein Stall voller Leben aber wenig Einstellern

Der Sonntag-Musterstall bei Viernheim liegt außerhalb des Ortskerns und ist von der Autobahn schnell erreichbar. Für Besucher ist das praktisch, und auch Einsteller würden die rasche Anfahrt sicher schätzen, allerdings gibt es davon auf der Anlage nur zwei. „Wir haben bewusst nur zwei Boxen vermietet“, erklärt Klaus Hartmeyer.

Stallgasse mit Stallmatten
Die Stallgasse ist mit geräuschdämpfenden Stallmatten ausgelegt. Foto: Pferdebetrieb

Wer aber einen leeren Stall erwartet, der modellhaft verschiedene Varianten zeigt, der irrt gewaltig. Der Stall von Klaus und Jutta Hartmeyer wird aktiv genutzt und steckt voller erprobter Feinheiten. Die Anlage bietet 25 Pferden Platz – es gibt 15 Boxen- und 10 Laufstallplätze, von denen Letztere in vier Gruppen eingeteilt sind. Aktuell leben jedoch nur 15 Pferde auf dem Hof. Zwei Großpferde und drei Fohlen gehören den beiden Einstellern, die restlichen Pferde Klaus und Jutta Hartmeyer.

Ein Laufstall mit drei Varianten zur Bodenbefestigung

Die große Leidenschaft von Klaus Hartmeyer ist es, auf seinem Betrieb verschiedene bauliche und arbeitswissenschaftliche Optionen zu testen und zu verbessern. Das betrifft beispielsweise die Böden des Fohlen-Laufstalls. „Wir beobachten, wie die Fohlen den Boden annehmen und wie sie sich darauf ablegen. Wir überprüfen auch, wie praktikabel der Boden ist“, erklärt Klaus Hartmeyer. „Wir haben von Hübner-Lee den TTE-Boden mit der Gummierung in den Platten verbaut. Das ist ein extrem guter Boden. Außerdem haben wir Belmondo-Platten von Kraiburg auf Untergrund von Hübner-Lee verlegt. Als dritte Option haben wir Granulatplatten von Equimore gewählt, die ebenfalls gut angenommen werden.“

Bodenbefestigung im Laufstall
Drei Varianten der Bodenbefestigung hat Klaus Hartmeyer im Laufstall realisiert. Foto: Pferdebetrieb

Wichtig ist dem Betriebsleiter, dass die Laufställe komplett matschfrei sind – auch bei starkem Regen. Die Dächer der Halle, die an den Laufstall angrenzt, besitzen keine Dachrinnen – das Regenwasser fließt direkt auf den befestigten Boden. „Das Wasser kommt vom Dach heruntergeschossen und kann versickern. Lösungen wie diese braucht man in jedem Stall, denn matschige Paddocks sind für Pferde nicht gesund. In unserem Fall mussten wir auch an die Abwasserregelung, Oberflächenwasserversickerung denken. Wir sind nicht ans Abwassersystem angeschlossen und haben eine eigene Grube. Die Lösung, die das Wasser einfach versickern lässt, hilft uns deshalb sehr.“

Pferdetoilette

Ein junges Projekt auf dem Fohlenhof sind die Pferdetoiletten. In einem der beiden Laufställe stellte sich heraus, dass die Pferdetoiletten größer angelegt werden müssten. Angenommen werden sie trotzdem sehr gut, wie der Betriebsleiter berichtet: „Wozu die Pferdetoiletten gut sind, haben die Fohlen sofort verstanden. Gleich nach dem Einbau hat sich das erste Stutfohlen darauf gestellt und den Schweif gehoben.“ Das Stallgebäude besitzt einen Eingang mit Flügeltüren und einen mit Schiebetür. Besucher können sich somit ein Bild davon machen, wie sich die beiden Lösungen im konkreten Fall realisieren lassen. Die Schiebetür ist auf der Innenseite mit feinen Bürstenhaaren ausgestattet, die den Stall vor Zugluft schützen, wenn die Türen geschlossen sind.

Elektrische Stallhelfer

Arbeitswirtschaftlichkeit wird auf dem Betrieb großgeschrieben: Die Heuraufen der Boxen kann man von außen befüllen, zum Misten und Verteilen des Futters verwenden Klaus und Jutta Hartmeyer Großballenwagen und Schubkarren mit E-Antrieb. In diesem Punkt kommt der Erfahrungsschatz des Ehepaars zum Tragen, das jahrelang gemeinsam einen großen Pensionsstall mit 60 Boxen und mehreren Laufställen führte.

Elektrische Schubkarren und Großballenwagen von Sonntag
Werden die elektrischen Stallhelfer nicht gebraucht, werden sie aufgeladen. Foto: Pferdebetrieb

„Anfangs denkt man, dass E-Antriebe nicht nötig sind, und man möchte die Arbeit lieber klassisch von Hand machen“, berichtet Jutta Hartmeyer. „Wenn man jedoch jahrelang volle Schubkarren schiebt und entleert spürt man das in den Schultern, im Rücken und überall. E-Antriebe sind eine enorme Arbeitserleichterung. Ich möchte sie nicht mehr missen.“ Mit der Akku-Laufzeit ihrer elektrischen Stallhelfer haben die Hartmeyers kein Problem: Rund 1,5 Stunden sind die Maschinen täglich im Einsatz. Werden sie nicht gebraucht, hängen sie an der Ladestation.

„Wenn man jedoch jahrelang volle Schubkarren schiebt und entleert spürt man das in den Schultern, im Rücken und überall. E-Antriebe sind eine enorme Arbeitserleichterung. Ich möchte sie nicht mehr missen.“ Jutta Hartmeyer

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Big-Bag-Gestell

Einige Produkte, die Klaus Hartmeyer auf seinem Hof testet, finden den Weg in den Katalog der Firma Sonntag – so auch das Gestell für Big Bags, die auf dem Betrieb für die Lagerung von Kraftfutter und Strohpellets dienen. „Durch das Gestell welches den Big Bag in entsprechender Höhe hält, kann man mit der Schubkarre und Futterwagen direkt unter die Big Bag fahren“, erklärt Klaus Hartmeyer. „Man muss Pellets und Futter nicht mühsam herausschaufeln. Durch öffnen und schließen des unteren Schiebers entnimmt man die gewünschte Menge.“ Wichtig war ihm auch die Futterhygiene: An den glatten Füßen der Halterung können Schadnager nicht hinaufkrabbeln, das Futter ist vor ihnen geschützt

Big-Bag-Halter
Praktische Lagerung: Der Big-Bag-Halter wurde im Musterstall getestet und hat inzwischen seinen Weg in den Sonntag-Katalog gefunden. Foto: Pferdebetrieb

Die Leidenschaft für die Fohlenaufzucht

Die Fohlenaufzucht-Fohlen zu jungen Pferden heranwachsen zu sehen, begeistert Klaus und Jutta Hartmeyer. „Wir sind selbst am züchten“, erzählt der Betriebsleiter, „aber kaufen zusätzlich Fohlen zu. Wir arbeiten dabei vor allem mit den süddeutschen Verbänden zusammen.“

Die Fohlen werden auf dem Hof in Gruppen von maximal drei Tieren gehalten – ein Konzept, das sehr beliebt ist. Trotz der hohen Nachfrage nehmen die Betriebsleiter kaum fremde Fohlen auf. „Wir genießen es, dass in unserem Stall wenig Einsteller sind, denn mehr Einsteller würden einen enormen organisatorischen Aufwand bedeuten. So haben wir größtenteils viel Ruhe. Ich zeige unseren Stall mit allem, was wir ausprobieren und woran wir tüfteln, sehr gerne Besuchern und Kunden, aber ich genieße es auch, dass wir abends die Stalltüre zuschließen können und dann für uns sind“, berichtet Klaus Hartmeyer.

Bei der Aufzucht ist Klaus und Jutta Hartmeyer auch die Fütterung besonders wichtig. Rund ein Drittel des Raufutters produziert das Ehepaar in Form von Heu und trockener Heulage selbst. „Wir haben seit Jahren einen sehr zuverlässigen Heulieferanten, der sein Produkt zertifizieren lässt. So können wir sicher sein, dass wir gute Qualität füttern“, erklärt der Betriebsleiter. Zusätzliche „Goodies“ gibt er den Fohlen gerne. „Die Leckschale von Derby ist bei den Fohlen sehr beliebt“, verrät er.

Einstreu und Mistverwertung

Als Einstreu verwenden die Hartmeyers Strohpellets. Durch die Kombination mit Belmondo-Boxenmatten ist die benötigte Menge gering. Dadurch werden Lagerkapazitäten für Einstreu und Mist sowie Materialkosten und Arbeitszeit gespart. „Wir holen einmal im Jahr eine LKW-Ladung Strohpellets, das sind circa 22 Tonnen. Für uns ist das völlig ausreichend und die Einstreu nimmt nur ein Eck in unserer Scheune ein“, erzählt Klaus Hartmeyer. Einen Teil verkaufen die Hartmeyers an sehr kleine Betriebe weiter.

Der Mist wird in einem 30 cbm-Container gesammelt, der ca. alle drei Monate in die nahe gelegene Biogasanlage gebracht wird. „Die Biogasanlage nimmt den Mist sehr gerne ab, denn durch die feinen Strohpellets bildet sich eine schöne Vorrotte. Die Pellets sind viel besser geeignet als beispielsweise Holzspäne oder klassisches Stroh“, erläutert der Betriebsleiter. Klaus Hartmeyer nennt weitere Vorteile der Einstreu: Aus Erfahrung können die Betriebsleiter bestätigen, dass sich die Pferde gerne darauf ablegen. Die gewählte Variante ist praktikabel und rechnet sich.

„Wenn ich auf Messen mit Kunden über Boxenmatten und Strohpellets spreche, höre ich oft: ‚Warum soll ich teure Einstreu kaufen? Ich habe doch billiges Stroh!‘ Meine Frage lautet dann: ‚Ihr Stroh kostet nichts? Was ist mit dem 150-PS-Traktor, der Großballenpresse und der 20 mal 40 Meter großen Lagerhalle? Haben die nichts gekostet?‘ Im Grunde ist das nur eine Rechenaufgabe. Dabei muss man aber alles einbeziehen, auch die Einlagerung, denn die Halle ist teuer. Wenn man sie selbst nicht nutzt, kann man sie vermieten und dadurch Einnahmen erzielen.“ Klaus Hartmeyer

Grünlandpflege

Hartmeyers Kooperation mit der Biogasanlage bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Da die Anlage zu einer Landwirtschaft mit Milchviehhaltung gehört, die viele Flächen zur Verfügung hat, kann sie den Pferdemist gut unterbringen und die Hartmeyers nehmen keine Biomasse ab. Vor dem Hintergrund der Düngeverordnung also ein guter Deal.

Wie sieht die Weidepflege für die Koppelflächen auf dem Fohlenaufzuchtbetrieb der Hartmeyers aus? „Wir bringen nur Kalkstickstoff auf unseren Grünflächen aus, um gegen Wurmlarven und Unkraut vorzugehen“, erklärt Klaus Hartmeyer. Der heiße Sommer des letzten Jahres hatte auch in der Region um Mannheim deutliche Folgen: „Wir haben sehr sandige Böden, und weil der Regen im letzten Jahr so knapp war, haben die Koppeln richtig gestaubt. Da stand kaum noch ein Grashalm“, berichtet der Betriebsleiter.

Um die Weidefläche wiederaufzubauen, brachte er im Herbst ein wenig Pferdemist auf den Koppeln aus. Das Ergebnis ließ zum Glück nicht lange auf sich warten: „Da die Winter in unserer Region extrem mild sind, hat der Mist sofort gewirkt und es stand im November schon wieder Gras.“ Als unsere Redaktion für die Betriebsreportage in der zweiten Märzwoche in Viernheim zu Besuch war, zeigte sich ein schönes Bild: Die Pflanzen wachsen, grünen und die ersten Blüten waren bereits geöffnet.

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