Betriebsreportage Pensionsstall und Reitschule Schwabhof

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In Genderkingen unweit von Augsburg führt Franziska Schwab eine Reitschule und einen Pensionsstall, den Schwabhof. Die Betriebe haben getrennte Kassen und jeweils eigene Reitplätze – beide haben aber gemeinsame Werte: persönlich, ökologisch, artgerecht. Um insgesamt 152 Reitschüler pro Woche, 14 Einsteller plus Reitbeteiligungen und 28 Pferde unter einen Helm zu bringen, hat sich die Betriebsleiterin viele originelle Lösungen ausgedacht.

Zwei Betriebe arbeiten an einem Ziel

Der persönliche Kontakt zu ihren Einstellern und Schülern ist Franziska Schwab, die den ehemaligen Milchviehbetrieb ihrer Großeltern zur Pferdehaltung umstrukturiert hat, besonders wichtig. Deshalb achtet sie darauf, selbst als Ansprechpartnerin präsent zu sein und deutschsprachige Mitarbeiter zu beschäftigen. Für Nachrichten an die Reitlehrer – oder Ponys – hängt eine Postbox bereit. Das Bemühen um angenehmes Stallklima fängt für Franziska Schwab schon bei der Wahl der Einsteller an. Die Betriebsleiterin erklärt: „Auf Anraten anderer Aktivstallbetreiber suchen wir unsere Einsteller sehr streng mithilfe eines Bewerbungsbogens aus. Zum Beispiel nehmen wir keine Wallache, die erst vor einem Jahr kastriert wurden.“ Außerdem erhalten alle Interessierten eine Informationsbroschüre, in der das Konzept des Schwabhofs vorgestellt wird.

Das grüne Stallbuch

Für den Pensionsstall steht – wie auch für die Reitschule – persönliche Kommunikation an erster Stelle: Neben Betriebsversammlungen, einem Newsletter und einer WhatsApp- Gruppe der Einsteller ist das Stallbuch für die Pferdepension Schwabhof wichtigstes Kommunikationsmittel. Beim morgendlichen Routinegang kontrolliert einer der Mitarbeiter jedes Pferd im Offenstall und vermerkt seine Beobachtungen wie „Fury hat seine Fliegenhaube verloren“. Dabei gibt es für jedes Pferd eine monatliche Checkliste, die entsprechend abgehakt wird. Für die Einsteller ist das grüne Stallbuch genauso einsehbar wie für die Mitarbeiter. „So können die Einsteller nachvollziehen, dass wir jeden Tag nach dem Rechten sehen und wer beim Pferd war. Wenn sie besondere Anmerkungen für unseren Frühdienst haben, können sie diese in das Buch eintragen“, erklärt die Betriebsleiterin. Die Lösung führe ihrer Erfahrung nach zu mehr Zufriedenheit und wechselseitiger Transparenz und auch für die Kommunikation mit ihren Mitarbeitern sei das grüne Buch hilfreich.

Vorkassensystem

Das Stallbuch erfüllt noch eine weitere wichtige Funktion. Die Einsteller können mithilfe spezieller Schwabhof-Sticker, die sie für 1,50 Euro pro Stück erwerben können, Zusatzleistungen buchen, die im Einstellerpreis von 310 Euro nicht enthalten sind. Sie kleben den Sticker beim entsprechenden Datum ins Tabellenblatt ihres Pferdes und vermerken, welche Leistung sie wünschen.

Jeder Einsteller hat in der Sattelkammer einen Schrank, einen Stiefelhalter und einen Deckenhalter – alles mit einer Nummer versehen, damit es keine Verwechslungen gibt. Ein weiterer Spint ist als „Übergabe-Box“ betitelt; hier werden beispielsweise Geburtstagsgeschenke für die eingestellten Pferde gelagert. Als nächstes hat Lotta Geburtstag: Die Stute bekommt einen Massageroller – eine kleine Geste, die das Stallklima deutlich verbessern kann. Außerdem gibt es einen Spint, in dem sämtliche Equidenpässe aufbewahrt werden und auf den nur die Mitarbeiter zugreifen können.

Gesundheitsmanagement: Zeugnis und EM

Außer dem Einbehalten der Equidenpässe, um sie bei tierärztlichen Notfällen parat zu haben, trifft der Schwabhof noch weitere Vorkehrungen fürs Gesundheitsmanagement, wie Franziska Schwab erläutert: „Bevor die Pferde zu uns auf den Hof dürfen, lassen wir uns ein Gesundheitszeugnis zeigen, das nicht älter als vier Tage sein darf. Wir heften es dann zusammen mit dem Einstellervertrag und den Nachweisen für Haftpflichtversicherung und Impfungen ab.“

Wie in Notfällen, zum Beispiel bei einer Kolik, verfahren werden soll, hat Franziska Schwab die Einsteller ebenfalls auf einem Stammblatt vermerken lassen. Alle Pferde erhalten dreimal im Jahr eine Wurmkur. Einmal im Monat und immer nach den Wurmkuren sprüht das Team die Liegeflächen im Aktivstall mit Effektiven Mikroorganismen (EM) ein. „Die sorgen dafür, dass sich die positiven Bakterien vermehren und die negativen Bakterien weniger werden. Wir haben eine deutliche Besserung festgestellt, zum Beispiel beim Geruch.“ Da auf dem Schwabhof morgens komplett und auf den Hauptwegen abends ein zweites Mal von Hand abgemistet wird, ist der Geruch ohnehin nicht sehr stark.

Der Aktivstall

Zwei Jahre lang geplant, mit viel Eigenleistung von der Familie erbaut und nun im dritten Betriebsjahr: Der Aktivstall ist so angelegt, dass sich alle Pferde darin wohlfühlen können. „Damit auch rangniedere Pferde ständig Zugang zu Futter, Tränken oder Unterständen haben, gibt es bei uns alles doppelt“, sagt Franziska Schwab. Das heißt: zwei automatische Heuraufen, zwei Liegehallen, mehrere Tränken und zwei Wälzflächen mit speziellem Waldbodengemisch – die Horseflakes sollen durch die enthaltenen Mikroorganismen Ammoniakgeruch neutralisieren und eine weiche Matratze bilden. „Die Pferde legen sich gerne hin oder wälzen sich“, berichtet die Betriebsleiterin. Das tun sie aber auch im übrigen Stall, der komplett mit grobkörnigem Sand ausgestattet ist.

Paddocktrail

Ein 164 m langer zusätzlicher Paddocktrail verlängert den Gang zum Fressautomaten, wo Hafer, Mineralfutter oder energiearme Pellets gefüttert werden. Ist der Trail bei schlechtem Wetter mal nicht passierbar, kann er mit Toren geschlossen werden. Gefüttert wird außerdem Heu in zwei Stationen und Stroh zum unbegrenzten Knabbern, beides aus eigenem Bioanbau. Dafür stehen circa 13 ha Grünland (gepachtet und eigene) zur Verfügung. Außerdem gibt es für zusätzliche rund 18 ha Wiese eine Nutzungsvereinbarung, nach der der erste Schnitt gemäht wird. In einem weiteren Automaten haben rangniedere oder sehr schwerfuttrige Pferde Gelegenheit, ungestört Heu zu fressen. „Wir verwenden für die Heu-Raufen nur den ersten Schnitt. Den zweiten bringen wir in eine Biogasanlage oder verwenden ihn für den Heu- Automaten“, berichtet Franziska Schwab.

Pony-Wohngruppe

Der Aktivstall ist mit seinen 20 Bewohnern – 14 Einsteller- und sechs Schulpferde – voll ausgelastet. Erst in diesem Jahr ist die Pony-Wohngruppe fertig geworden. Hinter der Planung stand dasselbe Prinzip – nur ist die Fütterung hier nicht automatisch. Stattdessen haben die Tiere zeitlich begrenzten Zugang zur Heuraufe, dann wird der Bereich abgesperrt – es steht aber auch noch eine Strohraufe zur Verfügung. Beide Raufen sind mit engmaschigen Netzen versehen, um die fressbegeisterten Ponys etwas zu bremsen. Noch wohnen im Ponystall nur Reitschulponys, es sollen aber noch zwei Einstellertiere dazukommen.

Die Reitschule Schwabhof

Wirtschaftlich ist der Pensionsstall strikt getrennt von der Reitschule, die bereits seit 2005 besteht, und auch die Trainingsmöglichkeiten sind andere. Während die Einsteller auf einem 20 x 40 m großen Textilplatz trainieren dürfen, steht für die Reitstunden ein Sand-Holzschnitzel-Platz (22 x 40 m) zur Verfügung. Beide Plätze sind beleuchtet. „Als wir nur einen Platz hatten, waren sich Einsteller und Reitschüler häufig im Weg. So ist es einfacher“, sagt Franziska Schwab.

Unterricht ist für Erwachsene und Kinder geboten – insgesamt unterrichtet die Reitschule 152 Schüler pro Woche. „Den Schwerpunkt bilden Kinder zwischen acht und zwölf Jahren“, erzählt die Betriebsleiterin. Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen bringt sie Kindern ab zwei Jahren den Umgang mit Pferden bei. Auch hier steht der artgerechte Umgang im Mittelpunkt, auf Trensen mit Gebiss verzichten die Reitlehrer. „Ich habe mich für das Rai-Reiten entschieden, weil es meiner Meinung nach nicht zu schlagen ist“, erklärt Franziska Schwab und hat damit auch ein Alleinstellungsmerkmal für ihre Reitschule geschaffen.

Tipps für die Reitschule

■ Flohmarkt-Pinnwand

■ Aufwärmen der Kinder mit Übungskarten

■ Pony- und Reitlehrerpostbox

■ Vorbereitete „Wochenthemen“ als Theorie-Wiederholung

■ Wochensystem mit Springerliste für weniger Ausfälle

■ Motto-Nachmittage

Weniger Ausfälle

Bei der Wahl ihrer Reitschulpferde achtet Franziska Schwab vor allem auf den Charakter, die Gesundheit und die richtige Größe. „Die Tiere sollten brav und der Gang bequem sein. Bei einem Anfängerpferd wäre beispielsweise zu viel Schwung schwierig“, resümiert die Betriebsleiterin. Da es keine Halle gibt, schließt die Reitschule im Winter für drei Monate. „Diese Zeit ist für unsere Schulpferde super zum Entspannen. Sie werden dann von einer Reitbeteiligung gepflegt und geritten und sind nach der Pause wieder fit.“ Wie viele Reitschulbetriebe hatte auch der Schwabhof mit dem Problem spontaner Absagen zu kämpfen.

Auch hier hat Franziska Schwab mit dem Sticker-System eine gute Lösung gefunden. „Wir arbeiten prinzipiell im wöchentlichen Rhythmus. Wenn ein Reitschüler aber aus finanziellen oder organisatorischen Gründen nicht jede Woche teilnehmen kann, nehmen wir ihn auf die Springerliste. Die Reitschüler, die wöchentlich kommen, sind in unserer Liste für die Stunden vorgemerkt. Nach der Reitstunde kleben sie ihren Sticker dann in ihr Feld für die nächste Woche und melden sich damit verbindlich an. Wenn sie nicht können, streichen wir sie heraus und rufen jemanden von der Springerliste an“, erklärt Franziska Schwab.

Ergänzende Betriebszweige

Die wirtschaftlich getrennten Betriebszweige des Schwabhofs ergänzen sich optimal. „Die Pension bringt mir einen konstanten monatlichen Umsatz. Mit der Reitschule fördern wir den Nachwuchs und es ist mir sehr wichtig, den Kindern nicht nur das Reiten, sondern auch den Umgang mit Pferden beizubringen. Mancher Reitschüler wird dann zum Einsteller“, berichtet Franziska Schwab. Das funktioniert deshalb so gut, weil sich die Betriebsleiterin auf ein starkes Team verlassen kann: „Wir ergänzen uns und durch die verschiedenen Bereiche, die wir anbieten, kann jeder tun, was ihm liegt und Spaß macht.“

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