Start in die Weidesaison

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Im Frühjahr, bevor die Pferde auf die Weide kommen, gibt es einiges zu tun. Zäune und Weidegeräte müssen kontrolliert, das Grünland abgeschleppt und gepflegt und eventuell eine Übersaat durchgeführt werden. Was man bei einer Übersaat, Nachsaat oder Neuansaat beachten sollte, hat Pferdebetrieb Prof. Dr. agr. Martin Elsäßer, Universität Hohenheim, gefragt.

Um die Weide in einem guten Zustand zu halten, sollte sie regelmäßig verjüngt werden – das beugt Narbenlücken vor. Dafür eignet sich je nach Zustand der Fläche eine Übersaat, eine Nachsaat oder eine Neuansaat. Die Übersaat dient zur regelmäßigen Verbesserung der Weidefläche und kann mehrmals im Jahr durchgeführt werden. Dafür benötigt man in der Regel 4 bis 8 kg Saatgut pro Hektar. Zum Ausbringen des Saatguts kann ein normaler Schleuderstreuer dienen, wie er auch fürs Düngen genutzt wird. Der Nachteil ist hier, dass das Saatgut nur oberflächlich verteilt wird und es sowohl leicht von Vögeln gefressen als auch schnell vom Wind verblasen werden kann. Besser geeignet sind Sämaschinen, die das Saatgut unter die Erde bringen – beispielsweise die Schlitzsämaschine D9 3000 von Amazone (siehe Praxistest Pferdebetrieb 05/2016) oder eine Durchsämaschine wie die DZ 218.075 von Vredo (siehe Praxistest Pferdebetrieb 04/2014).

Neben der Übersaat, die unter anderem dazu dient, die Trittfestigkeit der Grasnarbe zu erhalten, kann in bestimmten Fällen auch eine Nachsaat sinnvoll sein. Fachleute raten zu diesem Schritt, wenn bis zu 30 Prozent der Grasnarbe kleinere Schäden aufweisen. Für die Nachsaat werden pro Hektar rund 25 kg Saatgut benötigt. Ist die Weidefläche zu großen Teilen stark verunkrautet – Experten stufen eine Koppel so ein, wenn die Menge an unerwünschten Pflanzen 50 Prozent übersteigt –, sollte eine Neuansaat erwogen werden, wobei die Fläche komplett neu angelegt wird und etwa 40 kg Saatgut pro Hektar ausgebracht werden.

Interview mit Prof. Dr. agr. Martin Elsäßer, Universität Hohenheim, Fachgebiet Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergiepflanzen; Leiter des Fachbereichs Grünlandwirtschaft und Futterbau im Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg, Sachgebiete Düngung, Grünlandverbesserung, Weidemanagement und Pflanzenschutz.

Pferdebetrieb: Welche Sämaschinen würden Sie für Nachsaat als Durch- oder Übersaat bzw. für die Neuansaat empfehlen?

Prof. Dr. Martin Elsäßer: Hier gibt es eine ganze Reihe von geeigneten Geräten. Das können einmal für die Übersaat entweder Spezialstreuer oder Düngerstreuer sein, die das Saatgut oben auf den Bestand streuen und diesen teilweise gleichzeitig striegeln oder walzen, und bei der Durchsaat spezielle Schlitz- oder Rillensägeräte, die das Saatgut in den Boden hineinbringen und in einen Schlitz ablegen.

Was ist bei der Nachsaat, der Übersaat oder der Neuansaat zu beachten?

Die Fahrgeschwindigkeit ist belanglos, so auch Reifenwahl und Traktorgröße. Wichtig ist, dass es nach der Saat regnet und die Pferde eine ganze Zeit von der Koppel ferngehalten werden, weil die sonst die neu eingesäten Gräser wieder ausreißen und die Ansaat letztlich nutzlos wäre.

 Wie sollte die Menge des Saatguts für eine Nach-, Über- oder Neuansaat berechnet werden?

Ich empfehle eine Übersaat ein- bis zweimal im Jahr mit 5 bis 10 kg Saatgut pro Hektar. Hierfür eignet sich eigentlich nur Deutsches Weidegras. Für die Durchsaat sollten einmal 20 bis 25 kg/ha einer Nachsaatmischung für Pferdeweiden mit Deutschem Weidegras, Wiesenrispe und eventuell noch Wiesenlieschgras verwendet werden. Auf Saatgut mit Weißklee und Knaulgras sollte man verzichten, wenn beweidet wird. Weißklee tut Pferden aufgrund des hohen Eiweißgehaltes nicht gut und Knaulgras ist als Weidegras total unbeliebt.

Wie sollte die Koppel vorbereitet werden?

Sie muss lückig sein bei Übersaat und kurz gemäht bei Durchsaat.

Wann sollte das Saatgut ausgebracht werden?

Zwei Möglichkeiten: Zum zweiten Aufwuchs oder am Ende der Saison, aber nicht in Sommermonaten.

Wie lange muss gewartet werden, bis die Pferde wieder auf die Koppel dürfen?

Mindestens zwei Monate, da das Gras anwachsen muss und zur Bestockung der Gräser bei etwa 15 cm Wuchshöhe zwei Schröpfschnitte gemacht werden sollten.

Weitere Infos unter www.gruenland-online.de und  www.lazbw.de

Das Interview führte Kai Schwarz.

Arbeiten über die gesamte Weidesaison

■ Kontrolle des Weidezauns sowie des Zaungeräts (täglich)
■ Kontrolle der Tränken (täglich)
■ Absammeln der Pferdeäpfel (regelmäßig)
■ Kontrolle der Weide auf Giftpflanzen (regelmäßig)
■ Wurmkuren (regelmäßig/selektiv)
■ Nachmähen/-mulchen nach jedem Koppelumtrieb (wenn erforderlich)
■ Über-/Nachsaat (wenn erforderlich)
■ Zugabe mineralischen Stickstoffs für beschleunigte Zersetzung von Schnittgut (bei Bedarf)

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