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Raufutter: Zukauf und Alternativen

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Der Deutsche Bauernverband hat Ende August seine Prognose zur Ernte 2020 abgegeben: unterdurchschnittlich und von extremen regionalen Unterschieden gekennzeichnet. Das wirkt sich auch auf die Heupreise aus, die in vielen Bundesländern deutlich gestiegen sind. Worauf Betriebsleiter beim Zukauf achten müssen und wie sie langfristig mit schlechten Ernten umgehen können, verrät Prof. Dr. Dirk Winter, Studiendekan für Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.

Auch Prof. Dr. Dirk Winter sieht die Erntesituation kritisch, weist aber direkt auf die regional sehr unterschiedlichen Regenlagen hin: „In Teilen von Baden-Württemberg können wir durchaus von einer ausreichenden Niederschlagsmenge sprechen. Rheinland-Pfalz, Berlin-Brandenburg und Schleswig-Holstein dagegen verzeichneten enorme Trockenheit im Frühjahr. Da kam der Grasaufwuchs nicht nach und auf den Weiden musste bereits im Hochsommer zugefüttert werden.“ Auf dem Raufuttermarkt droht zudem eine stärkere Verknappung aufgrund der zusätzlichen Nachfrage seitens der Rinderhalter. Die Preise steigen entsprechend.

Worauf achten beim Zukauf?

Wenn Menge oder Qualität des eigenen Raufutters nicht ausreichen, muss zugekauft werden. Dabei sollten Betriebsleiter ihre Ansprüche an das Heu unbedingt vorab mit dem Lieferanten festlegen, weiß Winter. Er zählt auf: „Prinzipiell muss Heu eine einwandfreie hygienische Qualität aufweisen, d.h. frei von Schimmelpilzen sein und einen niedrigen Bakterien- und Hefegehalt aufweisen. Auch der Aschegehalt muss im Rahmen bleiben. Ist er zu hoch, zeugt das von einem zu tiefen Schnitt und lässt darauf schließen, dass das Heu auch mit Erde kontaminiert ist. Außerdem dürfen natürlich keine Giftpflanzen wie Herbstzeitlose oder Kreuzkräuter oder gar Tierkadaver im Heu verarbeitet sein.“ Über die jeweiligen Grenzwerte für den Gehalt von Mikroorganismen im Heu informiert beispielsweise die LUFA Nordrhein-Westfalen.

Neben unerwünschten sollten Betriebsleiter aber auch über die gewünschten Inhaltsstoffe des Heus mit dem Lieferanten sprechen. Als Beispiele dafür nennt Winter einen höheren Proteingehalt (> 10%) für Zuchtstuten und Fohlen oder einen Energiegehalt von 7 MJ/kg Heu für Pensionspferde. Anschließend empfiehlt der Experte verschiedene Prüfstadien zur Qualitätskontrolle: „Bei der Anlieferung kontrolliert man das Heu sensorisch und anschließend rate ich zu einer Laboruntersuchung z.B. durch die LUFA. Werden die Standards gehalten, erhält der Lieferant einen Qualitätszuschlag. Wenn sie nicht gehalten werden, ist es dem Abnehmer des Heus möglich, die Lieferung abzulehnen.“ Eine derartige Kontraktfestlegung, wie es sie in der Rinder- Schweine- oder Geflügelhaltung häufig gibt, dient so als Garant zur Qualitätssicherung und kann auch bei Preis und Mengenfestlegung für Stabilität und Planbarkeit sorgen.

Woher kann´s kommen?

Neben der Option, mit Landwirten zu kooperieren, denen Pferdebetriebsleiter Heu und Stroh direkt abkaufen, können sie auch überregionale Raufutterhändler kontaktieren. Dazu kommen Heubörsen und natürlich Privatanbieter im Internet. Achtung: Auch hier gilt es, die Qualität des Raufutters genau festzulegen und zu prüfen.

Orientierung Preisgestaltung

Folgende Webseiten bieten einen bundesweiten Überblick sowie die Option, Preise je nach Bundesland und Art des Ballens einzusehen:

www.heupreis.de

www.proplanta.de

Alternativen zu Heu

Als Alternativen zu Heu nennt Prof. Winter Konservate von Gras-Klee-Gemenge sowie Luzerne, Grünhafer und Grünroggen. Er ergänzt: „Die Konservate von Gras-Klee-Gemenge können in Ergänzung oder als Ersatz für Heu gefüttert werden. Luzerne ist relativ teuer und hat einen höheren Nährstoffgehalt als Heu. Für Reitpferde ist dieser im Regelfall nicht notwendig, für Zuchtstuten und Fohlen dagegen gut geeignet. Grünhafer und Grünroggen werden zur Konservierung überwiegend siliert.“ In der Pferdefütterung kommt neben Heu vor allem Heulage zum Einsatz. „Die Trockensubstanz bei Heulage ist mit 50 bis 70% deutlich höher im Vergleich zur Silage“, erklärt Winter den Unterschied. „Außerdem wird Silage oft früher im Jahr geschnitten und weist dadurch einen höheren Zucker- und Proteingehalt auf. Die Heulage wird überwiegend zu einem späteren Vegetationszeitpunkt geschnitten und ist bereits angewelkt. Sie enthält im Vergleich zur Silage aufgrund des späteren Schnittzeitpunktes in der Regel weniger Zucker und Protein.“ Auch bei Heulage gilt: Produkt direkt ansehen, wenn sie angeliefert wird und die Abnahmebedingungen mit dem Lieferanten vorab genau festhalten. Da Fehlgärungen vorkommen und Lufteintritt schnell zu Schimmelpilzen führen kann, ist es wichtig, auf Löcher in der Folie zu achten und eine Nährstoffanalyse anzufordern. Winter rät: „Danach sollte man stichprobenartig Muster der Heulage ins Labor schicken, um die Angaben zu verifizieren.“

Rationsberechnung

Als Faustformel gilt 1,5 bis 2 kg Raufutter pro 100 kg Lebendmasse und Tag. „Bei einer Heulage mit 60% Trockensubstanz, die zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie das sonst verfütterte Heu geschnitten wurde, lautet die Rechnung 1 kg Heu entspricht 1,3 bis 1,4 kg Heulage“, weiß Winter. Das hängt mit dem höheren Wasseranteil der Heulage zusammen.

Fazit

Eine wichtige Strategie wird es künftig sein, Raufutter zu sparen. Winter empfiehlt, bei knapper Raufuttersituation Futterstroh einzusetzen und so das Heu zu verlängern: „Dem Einsatz von Stroh sind zwar gewisse Grenzen aufgesetzt, da lediglich 30 bis 35% davon verdaulich sind. Vor allem bei Pferden, die einen geringen Leistungsbedarf haben, hat Stroh aber aufgrund des niedrigen Energieanteils Vorteile.“ Zudem kann der Einsatz von Raufen und Automaten Streuverluste und Verschmutzungen reduzieren, die Fresszeiten verlängern und somit die Pferde länger beschäftigen. Um feuchte Ernteperioden zu überbrücken, rät der Experte in betroffenen Regionen zu Heutrocknungsanlagen, um auch unter schwierigen Erntebedingungen hygienisch gutes Raufutter zu erzeugen.

„Generell stellt sich die Frage am Betrieb, ob man Futterflächen vergrößern und Weideflächen verkleinern kann oder ob es sich lohnt, Ackerflächen für den Anbau von Ackergras, Grünhafer und Grünroggen zu nutzen“, gibt Winter zu bedenken. Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, in von Trockenheit besonders betroffenen Regionen nach Lieferanten zu suchen, die die gewünschte und benötigte Qualität und Menge liefern können. „Das führt zu sinnvoll kalkulierbaren Ausgaben und ist in vielen Regionen besser, als selbst Raufutter herzustellen, das von schlechter Qualität ist und im schlimmsten Fall entsorgt werden muss“, fasst Winter zusammen.

Autorin: Lisa Freudlsperger

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