Insektenabwehr

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Foto: Kai Schwarz Lästige Plagegeister

Das sollten Pferdebetriebe über Insekten, Insektenschutz und Repellents wissen.

Jedes Frühjahr sind auf den Pferdebetrieben wieder Mücken, Fliegen und Bremsen unterwegs. Dann sind Fliegensprays, Schutzdecken, Deo-Roll-ons und andere Produkte zur Abwehr der Plagegeister gefragt. Die größte Wirksamkeit haben Mittel, die an den Schwachstellen der Insekten ansetzen. Wer seinen Feind bekämpfen will, muss ihn also verstehen. Einen Exkurs ins Insektenreich und einen Blick auf die neuesten Trends finden Sie hier.

Insekten sind in Dauer-Alarmbereitschaft. Mücken und Bremsen beispielsweise nehmen mit Tausenden von Riechhaaren auf ihren Antennen ständig Gerüche auf. Sekunde für Sekunde erhält das Insekt Informationen – ganz im Gegensatz zu Säugetieren, die erst riechen, wenn sie einatmen. Mit dem Geruchssinn finden die Insekten ihre Beute, es ist der wichtigste Sinn für ihre Jagd. Jedes Riechhaar funktioniert wie eine Nase, es ist ein in sich geschlossenes System. Duftmoleküle, die in der Luft umherschwirren, werden von Rezeptoren-Neuronen entschlüsselt. Herrlich duften für Stechinsekten Ammoniak, Aminosäuren, Steroide und Milchsäure – also Schweißbestandteile. Außerdem finden sie Harnstoff, Kohlenwasserstoffe und ausgeatmetes Kohlendioxid anziehend. Die Plagegeister haben jedoch noch weitere Sensoren, die ihnen bei der Wirtstiersuche helfen, beispielsweise Thermorezeptoren, mit denen sie Temperaturunterschiede und Wärmeabstrahlungen identifizieren. Dank Feuchterezeptoren können sie außerdem die Atemluft und den Schweiß eines Wirtstiers decodieren. Die visuelle Wahrnehmung der Beute ist kaum ausschlaggebend, auch wenn Bremsen vorzugsweise dunkle Pferde anfliegen.

Waffen gegen den Feind

Im Fachjargon lautet die Kriegsstrategie gegen Insekten „push oder pull“. Das bedeutet, dass die Lästlinge durch sogenannte Repellents ferngehalten (push) oder in Insektenfallen gelockt werden (pull). Ziemlich neu ist eine Kombination aus beiden Methoden: Es mag verrückt klingen, Insekten fernhalten zu wollen, indem man Pferde auf bestimmte Art und Weise einzäunt. Tatsächlich funktioniert diese Vorgehensweise recht gut, da die meisten Insekten im Tiefflug auf ihre Beute losgehen. Versuche von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin haben gezeigt, dass das Insektenaufkommen auf einer Weide sinkt, wenn diese mit einen Meter hohen Insektennetzen umzäunt wurde. Die feinmaschigen Netze sind für die kleinen Angreifer quasi unsichtbar. Wenn Insekten gegen die mit Bioziden imprägnierten Netze fliegen, sterben sie innerhalb von wenigen Minuten. Die Netze kombinieren Pull- und Push-Strategien, da sie die Insekten einerseits physisch abhalten und sie andererseits anlocken und durch den Kontakt mit dem Gift abtöten. Problematisch ist jedoch, dass die Netze auch nützliche Insekten, die zum Teil unter Artenschutz stehen, töten. Insektenschutzzäune mit Biozidan sind im Handel bisher nicht erhältlich, da dazu die Genehmigung des Bundesumweltamtes fehlt. „Wir müssten noch größere Testreihen durchführen und unter anderem untersuchen, wie sich die Maßnahme auf die Population der nützlichen Insekten auswirkt“, erklärt Burkhard Bauer vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin.

Viele weitere Tipps und Wissenswertes zu Insekten, Insektenschutz und Repellents finden Sie in Ausgabe 5/2016 des Profi-Magazins Pferdebetrieb.

Text: Jeannette Aretz

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