Bequem transportieren: Schubkarren im Test
Egal ob beim Ausmisten, beim Futtertransport oder beim Bau eines neuen Paddocks – kein Pferdebetrieb kann auf den stählernen Lastenesel namens Schubkarre verzichten. Pferdebetrieb hat sich motorbetriebene Modelle angeschaut, die den Transport von Lasten bequemer und schneller machen.
Mist, Futter, Steine oder Stroh – wenn es darum geht, Lasten von A nach B zu bringen, greifen Stallbesitzer, Einsteller und nicht zuletzt das Personal eines Pferdebetriebs zum praktischen Helfer mit Wanne. Ausgestattet mit einem oder zwei Rädern und zwei Stützen für einen sicheren Stand, wird der stählerne Lastesel mit purer Muskelkraft vorangetrieben. Auch wenn das Gewicht der Last in der Regel ausbalanciert auf der Vorderachse ruht, kann das Schieben der Karre mit der Zeit recht schweißtreibend werden. Nun haben sich pfiffige Tüftler überlegt, wie man diesen Kraftakt einfacher machen kann. Man kann. Und zwar mit einer motorbetriebenen Schubkarre. Wir haben uns Modelle von Alitrak, PowerPac, Weiss und Temove mit Elektromotor sowie ein Gerät von Muck-Truck mit Verbrennungsmotor angeschaut und sagt Ihnen, ob sich solche Geräte für den Einsatz im Pferdebetrieb wirklich eignen.
Die muss ich haben
Nach den ersten Proberunden im Praxistests denkt der Tester: So eine muss ich haben. Der Blick auf den Preis bremst die erste Euphorie aber schnell aus. Denn für eine motorgetriebene Luxus-Schubkarre werden ein paar Tausend Euro fällig. Also sollte man mit kühlem Kopf überlegen, ob und wenn ja, für wen sich eine solche Arbeitshilfe lohnt. Denn rechnet man mit spitzem Bleistift, ist ein solches Gerät sicher nicht für alle, aber für einige Betriebe eine sinnvolle Investition, die nicht nur Kraft, sondern auch das teure Gut Zeit einsparen kann.
Wer braucht so was?
Wer lange und vielleicht etwas steilere Wege, zum Beispiel zum Misthaufen zurücklegen muss, der kann mit einer E-Schubkarre deutlich Zeit und viel Kraft sparen. Denn statt drei Mal mit einer halb vollen muskelbetriebenen Schubkarre den Mist abzutransportieren, reicht vielleicht bei einem E-Modell ein Gang. Das Gleiche gilt für den Transport von Futter, Einstreu und anderen Materialien. Auch hier kann je nach den örtlichen Gegebenheiten im Betrieb Zeit und somit Geld eingespart werden, wodurch sich die Investition in relativ kurzer Zeit auszahlen kann. Außerdem gibt es für E-Schubkarren praktisches Zubehör. Beispielsweise zum Schnee-Schieben, zum Hof-Kehren, zum Einsaugen von Laub oder Pferdemist oder sie lassen sich zu einer Sackkarre oder einem fahrbaren Wassertank mit Elektropumpe und vielem mehr umbauen. Zudem schont man mit einem solchen Gerät seine Gesundheit. Denn die Schubkarre muss nicht mit hohen Lasten gehoben und geschoben werden. Ein Vorzug, der sich auch dann auszahlt, wenn ältere Menschen oder Menschen mit Handicap entsprechende Arbeiten verrichten wollen.
Tabelle: Die Schubkarren im Überblick (vergößern durch Klick aufs Bild)
Feine Unterschiede
Viele Ähnlichkeiten und feine Unterschiede sind uns bei den Modellen von Alitrak, PowerPac, Weiss und Temove aufgefallen. Der mit einem Verbrennungsmotor ausgestattetet Dumper von Muck-Truck läuft außer Konkurrenz und wird daher separat behandelt. Die Elektroschubkarren, die wir uns angeschaut haben, ähneln sich von Aufbau, Bedienung und der Betriebsdauer: Die zwei vorderen Reifen werden von einem kräftigen E-Motor angetrieben, der alle Modelle auch mit schwerer Ladung sicher vorantreibt. Einzig im Schnee fehlte den meisten Geräten die Traktion. Hier half nur mehr Last – oder passende Schneeketten – um den Elektrotransporter sicher voranzubringen. Setzt man die Erfahrungen im Schnee auf einen matschigen Untergrund um, sollte die Kraft es E-Motors auch für schwierigeres Gelände ausreichen. Neben den zwei Antriebsrädern verfügen die Modelle über ein einziges Hinterrad, das sich um 360° drehen lässt. Dadurch werden die Schubkarren extrem wendig und können problemlos durch enge Stallgassen und Boxen manövriert werden.
Ein langer Atem
Die Betriebsdauer liegt laut Hersteller bei allen Kandidaten bei gut einem Arbeitstag. Dann müssen die Kraftpakete wieder an die Steckdose. Die Geräte von Alitrak, PowerPac und Weiss sind mit einer Anzeige für den Ladestatus ausgestattet. Temove hat beim TeMax auf dieses Ausstattungsmerkmal verzichtet. PowerPac hat das Ladegerät in die Maschine integriert, das Stromkabel wird manuell aufgewickelt. Die anderen Testkandidaten sind mit einem externen Ladegerät ausgestattet. Im Schnitt laufen die Schubkarren in der Vorwärtsbewegung mit rund 6 km/h (genaue Werte siehe Tabelle) und beim Rückwärtsfahren mit rund 3 km/h. Eine Besonderheit weißt hier der DTrak 400 von Alitrak auf: Er piept im Rückwärtsgang wie ein großer LKW. Ein Sicherheitsplus, auf das viele Nutzer vermutlich gerne verzichten würden.
Geb Gas ich will Spaß
Bei der Wahl des Gashebels haben sich viele Hersteller von Motorrädern inspirieren lassen und ihren Schubkarren einen drehbaren Gasgriff spendiert. Leider wurde aber die Griffposition aus der Welt der Schubkarren übernommen. Sodass bei längerem Arbeiten das Handgelenk leiden könnte. Für kurze Strecken in der Stallgasse sollte dieses aber kein Problem sein. Einen etwas anderen Weg geht das Unternehmen Weiss bei seinem White PowerBull. Hier kann die Geschwindigkeitskontrolle bequem mit dem Daumen stufenlos geregelt werden. Somit ist ein ermüdungsfreieres Fahren, auch über längere Strecken, möglich. Was bei einem längeren Arbeitseinsatz allerdings anstrengen kann, ist die Lenkerhöhe der verschiedenen Modelle. Sie ist nicht bei allen Geräten verstellbar. Alle Handgriffe der elektrisch betriebenen Schubkarren sind mit einem Stoßfänger ausgestattet, sodass es bei ungeschickten Manövern nicht zu Quetschungen kommen kann. Eins vorweg, der Muck-Truck verzichtet auf dieses Sicherheitsfeature. Temove hat seinen TeMax zudem noch mit einem Rammschutz vor den Reifen ausgestattet, der das Getriebe schützen soll und laut Hersteller als Überkippschutz nach vorne dient.
Die Ladewanne
Die Ladewanne ist mit Sicherheit für viele ein wichtiges Kaufargument. Wer häufig sehr schwere Güter transportiert, sollte lieber eine kleine Wanne (ab 100 Liter) wählen, da hier die Gefahr geringer ist, eine Schubkarre zu überladen. Je nach Hersteller ist eine Zuladung von 250 (Muck-Truck) bis zu 400 kg (Alitrak und Weiss) zugelassen. Wer hingegen aufgeschütteltes Heu verteilt, der wird mit einer 100-Liter-Mulde wenig Freude haben. Für diesen Einsatzzweck bietet beispielsweise PowerPac, Temove oder Weiss eine größere Mulde an. Die 500-Liter-Mulde von Temove kostet netto rund 800 Euro. Bei unseren Testkandidaten sind die Mulden alle arretiert und können über Hebel, Knöpfe oder Laschen einfach und schnell entriegelt werden. Auch das Kippen und Entlehren geht relativ einfach. Hier wird lediglich für die ersten Zentimeter etwas Kraft benötigt, danach leeren sich die gut ausbalancierten Mulden fast von allen. Der D-Trak ist zudem mit einer Gasdruckfeder ausgestattet, die den Entladevorgang unterstützt. Wer mag, kann natürlich auch mehrere Zubehörteile mit einem Unterbau nutzen. Dabei ist der Wechsel von Mulden und anderem Zubehör in der Regel recht einfach: Bei dem White PowerBull von Weiss reicht es beispielweise aus, eine Mutter zu lösen.
Allrad-Bolide
Alternativ zu den leisen Elektroschubkarren gibt es auf dem Markt auch Modell mit Verbrennungsmotor, wie den Muck-Truck Minidumper, der von dem Honda-Motor GXV 160 mit 5,5 PS angetrieben wird. Die Besonderheit bei diesem Gerät ist der permanente Allradantrieb, der sich bei Steigungen auszahlt. Bei dem Muck-Truck Dumper fallen als Erstes die deutlich höhere Lärmentwicklung und die Abgase auf. Mit so einem Modell möchte man nicht länger Zeit in der Stallgasse fahren, um die Boxen auszumisten. Dieses Gerät ist eher für den Outdoor-Einsatz. Außerdem ist er mit seinen vier angetriebenen, starren Reifen nicht so wendig wie die dreirädrigen Mitstreiter. Der größte Vorteil des Muck-Trucks ist, dass er keine langen Ladezeiten braucht. Hier heißt: Auftanken und weiterfahren – statt langer Ladezeit.
Fazit
Elektrische Schubkarren sind nicht nur etwas für Faulpelze und sie sind auch kein Luxusprodukt. Denn sie bringen viele Vorteile mit, die dem einen oder anderen Betrieb Zeit und Geld sparen kann. Natürlich lohnt die Investition nicht für alle Reitanlagen, hier sollte genau kalkuliert und vor allem auch die Zubehörpalette der Anbieter vor dem Kauf beachtet werden. Denn das Zubehör kann einen echten Mehrwert haben, sodass sich die Investition schneller auszahlt. Beispielsweise die Saugeinheit, die beim Temove auf eine Mulde aufgesetzt werden kann, oder die Kehrmaschine für den PowerPac, die lästiges Besenschwingen überflüssig macht, oder der Schneeschieber, die Sackkarre und vieles mehr.


















Guten Tag,
ich fand euren Bericht über die elektr.Schubkarren toll. Bin Gott-sei-Dank zufällig gestern darüber gestolpert.
Meine Frage noch an Euch. Habt Ihr nur diese 5 Geräte getestet oder gibt es auch noch andere Anbieter mit ähnlich brauchbaren Geräten.
Wäre Euch dankbar für eine Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Andrea Stockinger
Hallo,
es gibt weitere Anbieter und Produkte. Beispielsweise hatten wir in der Ausgabe Pferdebetrieb Juli/August 2011 die kompakte E-Schubkarre ED 120 von PowerPac im Test. Ein im Vergleich recht preiswertes Modell.
Kai Schwarz, Redaktion
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